Traditionelles Oratorienkonzert am 18. November 2012

Konzertkritik


Am 18. November findet um 16 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist das traditionelle Oratorienkonzert des Kirchenchores und des Kammerorchesters St. Johannes statt. 
Mit der „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod steht einerseits eines der berühmtesten Werke der Kirchenmusikgeschichte auf dem Programm. Zum anderen hat Kirchenmusiker Max Penger mit der Mendelssohn'schen Vertonung des 42. Psalms „Wie der Hirsch schreit“ ein eher selten aufgeführtes Stück ausgew
ählt.

Charles Gounod: Cäcilienmesse

Die „Messe solennelle en l'honneur de Sainte-Cécile“, im Deutschen kurz „Cäcilienmesse“ genannt, ist eine Vertonung des Messordinariums für drei Solostimmen, vierstimmigen Chor, Orchester und Orgel. Sie ist der Heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Kirchenmusik, gewidmet.
Es handelt sich um das bekannteste kirchenmusikalische Werk von Gounod. Er komponierte es im Alter von 37 Jahren. Während die anderen Messen aus seiner Hand neben den Sängern lediglich eine Orgel benötigen, findet man hier eine ausgesprochen große Instrumentalbesetzung vor. Am 22. November 1855, dem Jahrestag der Hl. Cäcilia, fand in Paris die Uraufführung statt. Der damals ebenfalls anwesende Komponist Camille Saint-Saëns schrieb darüber:
„Die Aufführung der Cäcilienmesse rief eine Art Benommenheit hervor. Diese Einfachheit, diese Größe, dieses reine Licht, das sich über die Musikwelt wie eine Dämmerung breitete, setzte die Leute sehr in Erstaunen: Man fühlte, dass hier ein Genie tätig gewesen war, glänzende Strahlen gingen von dieser Messe aus, zunächst war man geblendet, dann berauscht und schließlich überwältigt.“
Auf eine musikalische Besonderheit sei hingewiesen: Fast alle Gloriavertonungen für Chor und Orchester beginnen in voller Besetzung, Lautstärke und raschem Tempo. Nicht so in der „Cäcilienmesse“: Gounod zeichnet in den ersten 36 Takten ein zartes, ruhiges Bild der Heiligen Nacht. Erst nach einem etwa 9-minütigem, ruhigem Hornsolo verkündet der Engel (Sopran): „Gloria in excelsis Deo“. Beim „Laudamus te“ endet diese innige Stimmung. Jetzt setzen Orchester und Chor an, das Lob Gottes lautstark zu verkünden.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Wie der Hirsch schreit

Am 28. März 1837 heiratete Felix Mendelssohn Bartholdy die Pfarrerstochter Cécile Jeanrenaud. Die Vertonung des 42. Psalms entstand größtenteils im selben Jahr während der Hochzeitsreise, die das junge Ehepaar u. a. durch das Elsass und den Schwarzwald führte. Der erste, zweite und sechste Satz entstanden in Freiburg im Breisgau, der Schlusschor wurde in Leipzig angefügt.
Die Uraufführung fand am 1. Januar 1838 im Leipziger Gewandhaus statt; im Frühjahr des gleichen Jahres folgte die überarbeitete, endgültige Fassung. Die Psalmkantate wurde zu Lebzeiten des Komponisten häufig aufgeführt und auch vom selbstkritischen Mendelssohn als eine seiner besten Kirchenkompositionen eingeschätzt. Robert Schumann urteilte, das Werk sei „die höchste Stufe, die er als Kirchenkomponist, ja die neuere Kirchenmusik überhaupt, erreicht hat“.
Mendelssohn entwirft in dieser Psalmkantate ein tief empfundenes Bild von Sehnsucht nach Gott, die in Trost und Gottvertrauen Erfüllung findet.

Die Solisten

Wie immer darf man sich neben den Sängerinnen und Sängern des Kirchenchores und neben dem wieder mit Bläsern aus der Umgebung verstärkten Kammerorchester St. Johannes auf tolle Solisten freuen:


Anja Frank (Sopran) studierte Gesang am Richard-Strauss-Konservatorium in München, wo sie 1999 als „staatlich geprüfte Opern- und Konzertsängerin“ abschloss. Ihre Tätigkeit als Opernsängerin führte sie u.a. an die Bayerische Staatsoper, seit 2005 ist sie zudem regelmäßiger Gast beim Freien Landestheater Bayern. Hinzu kommt eine rege Tätigkeit als Konzert- und Liedsängerin, wobei zu ihrem breiten Repertoire insbesondere die großen Werke der Kirchenmusik zählen.







Frieder Lang (Tenor) studierte an der Universität und Musikhochschule Köln mit Abschlüssen in Schulmusik, Kirchenmusik, Orgel, Gesang und Opernklasse. Als Preisträger mehrerer Gesangswettbewerbe entfaltete er internationale Konzerttätigkeit und ist Gast an zahlreichen Opernhäusern in der ganzen Welt. Hinzu kommen Auftritte mit berühmten Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, dem Israel Philharmonic Orchestra und den führenden Radio-Sinfonie-Orchestern. Einen Namen machter er sich insbesondere als Evangelist in Bachs Passionen.
Dank der musikalischen Vielseitigkeit und Stilsicherheit von Frieder Lang reicht sein Repertoire von der frühen Musikgeschichte bis zum Schaffen zeitgenössischer Komponisten, wovon viele Ur- und Erstaufführungen zeugen (G. Kurtag schrieb op. 29 für ihn). Als Professor für Gesang wurde er 2002 an die Hochschule für Musik und Theater in München berufen.


Nikolai Ardey (Bass) singt seit vielen Jahren in verschiedenen Chören im Raum Ingolstadt, Pfaffenhofen und München, u.a. dem Kammerchor a-cappella-nova Pfaffenhofen und den Arcis Vocalisten München. Solistische Gesangsausbildung erhielt er zunächst privat bei Thomas Gropper und seit 2012 bei Frieder Lang an der Musikhochschule München. Er tritt regelmäßig als Gesangssolist bei Konzerten im süddeutschen Raum auf. Das Repertoire reicht dabei von den festlichen Messen, zahlreichen Kantaten aus Barock und Klassik bis hin zur Oratorien- und Opernliteratur. Hauptberuflich ist Nikolai Ardey als Ingenieur im Automobilbau tätig.